Transparenzen mit Acrylfarben gestalten

Vom Aquarell inspiriert

Das Bild ist auf einer Leinwand von 1m x 80 cm entstanden und wirkt trotz seiner Größe ganz leicht.

 

Inspiriert ist diese Arbeit von relativ kleinen Aquarellbildern, die ich bereits hier im Blog gezeigt habe.


Die Farbflächen wurden überwiegend lasierend aufgetragen. Die geschwungenen Spiralen entstanden mittels eines Gummispachtels, der durch die noch nasse Farbe geführt wurde.

 

Wie ein solches Bild auch in Acryl wachsen kann und wie mit deckenden Farben transparente Flächen entstehen, ist im Folgenden dargestellt.


Alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.

von der Ursprungsidee zum FERTIGEN bild

Wie bei den Bildern links zu sehen ist, lassen Aquarellfarben die unteren Schichten jeweils durchschimmern.
Bei Acrylfarben ist das nicht immer so einfach. Es gibt Acrylfarben, die für einen lasierten Auftrag gedacht sind.
Die heißen z.B. bei der Firma Schmincke "Lasur-Orange" oder "Lasur-Goldgelb". Von der Firma Amsterdam gibt es z.B. "Transparentrot" oder "Transparentviolet". Mit diesen Farben lassen sich Transparenzen ganz leicht, fast wie mit Aquarellfarben  gestalten.

 

Die meisten Acrylfarben sind aber eher halbdeckend bis ganz deckend. 


Methode 1 zum Schaffen von Transparenzen

 

Die Farbtube mit dem Türkisgrün ist mit dem schwarzen Quadrat als deckende Farbe gekennzeichnet. Die Kreuze geben die den Grad der Lichtechtheit an. Auf dem zweiten Bild unten ist die Farbe normaldick, mit einem großen Pinsel aufgetragen. Die untere, dunklere Schicht ist nicht mehr zu sehen. 

Diese Farbfläche sollte nun ein paar Minuten antrocknen, so dass die Farbe nicht mehr komplett naß glänzt. Dann wird mit einer Sprayflasche Wasser drauf gesprüht. Auch danach sollte man eine Minute warten. Die fast trockene Farbe wird durch die Wasserspritzer wieder aufgelöst. Die Farbe, die jetzt kein Wasser abbekommen hat, ist so weit trocken, dass sie durch das Auflegen eines Papiers nicht mehr abgelöst werden kann. Die frisch angelöste Farbe saugt sich mit dem Wasser in das aufgelegte Papier, wie auf Bild 3 zu erkennen ist. Das Papier sollte man nicht verschieben, sondern nur auflegen, andrücken und wieder abheben. Die angelöste Farbe klebt dann am Papier. Hier wurde einfaches Druckerpapier verwendet. Bei Zeitungspapier läuft man das Risiko auf hellen Flächen Druckerschwärze zu hinterlassen.

 

Leider gelingen diese Farbablösungen nicht immer nach Wunsch. Deshalb empfehle ich die Methode erst mal auf ein paar Papieren auszuprobieren. 

 

Methode 2 zum Schaffen von Transparenzen

Indigo, ein sehr dunkles Blau, gibt es auch als lasierende Farbe. Wie auf der Flasche unten zu sehen, zeigt das schwarze Quadrat, dass es sich hier aber um eine deckende Farbe handelt. Die angelegte Farbfläche deckt auch das helle Weiß darunter fast vollständig ab.

Bei dieser Methode kann man direkt ein Papier auf die Fläche auflegen, fest anreiben und abheben. Die untere Schicht kommt wieder zum Vorschein. Ja nachdem, wie dick die Farbe aufgetragen war, entstehen hier noch weitere Zufallsstrukturen.

2 Methoden im Vergleich

Im ersten unteren Bild ist zu sehen, wie das Türkis in der Mitte der Form fast ganz weg ist, während sich am Rand tropfenförmige Sprenkel befinden. Diese sind durch das aufgesprühte Wasser entstanden. Bei der ersten Methode liegt die Kunst dadrin, das Wasser so aufzutragen, dass es diese Strukturen bildet. Mit einem Pflanzensprüher kann man die Sprühstärke dosieren, von einem feinen "Nebelhauch" bis zu einem festen Strahl. Auf dem zweiten unteren Bild ist das besser zu erkennen. Dicke Tropfen kann man auch erzeugen, indem man einen Schwamm über dem Bild leicht ausdrückt oder mit einem großen nassen Pinsel, mit dem man auf das Bild tropft.

 

Bei der zweiten Methode geht es darum, den Farbauftrag dünner zu machen. Das dünne Auftragen mit einem Pinsel hinterläßt meist unliebsame Pinselspuren. Hebt man die Farbe mit einem Papier wieder ab, so entstehen bei dicken Farbauftrag auch noch spannende neue Strukturen, die man mit einem Pinsel gar nicht schaffen kann. Auf dem 3. unteren Bild habe ich zweimal mit einem jeweils sauberen Papier Farbe abgenommen. Das Weiß leuchtet durch, feine Strukturen sind entstanden und der äußere Rand ist schön erhalten geblieben. Man kann darauf achten an welchen Stellen, man das Papier besonders stark andrückt.

 

Auf dem 4. unteren Bild sieht man beide Methoden angewendet und die Flächen wurden nach dem Trocknen auch noch leicht übermalt. So erhält man Transparenzen und vielfältig farblich abgestufte Flächen.

EIN BILD ENTWICKELT SICH SCHRITT FÜR SCHRITT

Beim Aquarell setzt man die bunten Flächen auf weißes Papier. Die unbemalte Leinwand zu nutzen würde ich bei Acrylfarben nicht empfehlen, denn das sieht nachher unfertig aus. Der Untergrund sollte erst mit weißer Farbe gestaltet werden und zwar mit weiß in verschiedenen Schattierungen, z.B. mit ein wenig Schwarz, um grau zu erzeugen oder mit Ocker, um einen wärmeren Weißton zu schaffen. 

 

Auch diese feinen Farbabstufungen kommen nachher zur Geltung. Die transparenten Flächen verbinden sich mit den feinen darunterliegenden Weißnuancen. 


Und dann kann man mutig ausprobieren. Der Vorteil bei Acrylfarbe besteht ja darin, dass man Stellen, die einem nicht gefallen, wieder übermalen kann. Dazu arbeitet man wieder an dem weißen Hintergrund und ein weiterer Versuch kann gestartet werden.

 

Aber Achtung der Hintergrund, sowie auch die bunten Farbflächen müssen jeweils ganz durchgetrocknet sein, sonst löst man die untere Farbe wieder mit an.

 

Viel Spaß beim Gestalten!