Wann ist ein Bild fertig?

 

 

Manchmal braucht es Mut, ein Bild, das einem noch nicht ganz gefällt zu verändern. 

 

Ist dieses Bild nun fertig oder nicht? Meines Erachtens nach, liegt das immer im Gefühl des Bildschaffenden.

 

Es gibt Bilder, da fühlt man zu einem bestimmten Zeitpunkt, dass das Bild richtig rund und stimmig ist. Dann ist es fertig.

 

Bei anderen Bildern ist es sinnvoll, sie mal für ein

paar Tage weg zu stellen und dann noch mal zu überprüfen, welche Wirkung es auf einen hat. 

 

Das nebenstehende Bild ist in drei großen Aktionen überarbeitet worden und auch hier stellt sich die Frage, ob das Bild denn jetzt fertig ist.

 

 

Ein Bild im Schaffensprozess...

 


Abstrakte Malerei im Prozess

Es gibt mehrere Wege an eine abstrakte Komposition heranzugehen.


Dieses Bild ist ohne jegliche Vorlage entstanden. Manchmal ist es einfacher eine Arbeit weiterzuführen, wenn man eine Skizze oder ein Foto hat, das einem als Leitfaden zur Farb- und Formkomposition zur Verfügung steht.


Einfach nach Lust, Laune und eigenem derzeitigen Farbempfinden ein Bild zu beginnen ist oft ein spannender Weg. Für mich ist das eine Art Farbmeditation.


Leider habe ich die erste Fassung dieses Bildes nicht fotografiert, denn das hat mit recht gut gefallen, war aber "gefühlt" kein fertiges Bild. Ich entschied mich, nachdem das Bild ein paar Wochen unangetastet herum stand, für weitere Schritte mit mehr Kontrast und Dunkelheit. 


Die Fläche in der Mitte des Bildausschnittes zeigt einen noch erhaltenen Teil der ersten Bildbearbeitung.


Das erste Bild war sehr schwungvoll, teilweise aquarellartig angelegt. Man erkennt noch die Spritzer und "Tropfnassen" von der fließenden Farbe.


Über die Jahre habe ich gelernt, Bilder, die sich nicht ganz stimmig anfühlen, großzügig zu überarbeiten, im Prinzip völlig ohne Rücksicht auf das bereits bestehende Bild, denn das kann den Arbeitsprozess erheblich hemmen.


In diesem Fall bin ich ungewöhnlich vorsichtig an die Arbeit gegangen und habe bewusst Stellen der vorherigen Farbflächen stehen gelassen.


Auf dunklen Farbflächen frische spritzige Farben zu erhalten ist schwer, denn viele helle Farben sind nicht unbedingt deckend. Helle Farben erhalten mehr Leuchtkraft, wenn sie auf einen hellen Untergrund aufgetragen werden. 


Es ist aber davon abzuraten, die ganze Leinwand wieder weiß einzufärben, denn bei der Malerei ist es viel aufregender und anziehender viele unterschiedliche Farbnuancen wieder zu finden. Auch Dunkelheit kann erhalten bleiben, denn der Kontrast bringt andere Farben besser zur Geltung.


In den Sinne habe ich angefangen Teilflächen mit weißer und hellgrauer Farbe zu überarbeiten.








Die hellen Farbflächen wurden anschließend mit hellen Farbtönen übermalt.


Die gelben und hellgrünen Farbtöne waren bereits im ursprünglichen Bild vorhanden. Neu dazu kamen die hellen kühleren Blautöne, die den Kalt- Warmkontrast erhöhen. 









In diesem Arbeitsschritt wurde dann der Schwerpunkt mehr auf warme Farben gelegt. Vor allem das Orange kommt hier wieder zum Vorschein.


Ausserdem fehlte mir nach mehrfachem flächigen Überarbeiten die Linie, die dann an einzelnen Stellen mit Schwarz oder Indigo eingefügt wurde.


Ein Bild, das oft überarbeitet wird erhält, je nach dicke des Farbauftrags Erhebungen. Meist ist das vorteilhaft, weil das Bild eine Art Plastizität erhält. Deshalb werden auch oft Strukturpasten eingesetzt, die den Charakter der Leinwand verändern.


Hier habe ich Acrylbinder mit Sand angesetzt und mit einem  Spachtel aufgetragen.


Wie im unteren Bild zu erkennen ist, wurden die Sandflächen mit den Farben bearbeitet, die auch schon vorher im Bild zu finden waren, um die bestehende Farbstimmung zu erhalten.


An den Rändern der Sandflächen habe ich teilweise mit flachem Pinsel dunklere Farbtöne aufgetragen, um die Flächen mit linienartigen Umrandungen in das Bild zu integrieren. 

Gefühl für das eigene Schaffen entdecken

Ist das Bild nun fertig oder nicht?

Für mich gefühlt nicht wirklich und möglicherweise bekomme ich irgendwann den Impuls daran weiterzuarbeiten.

Das mag unbefriedigend sein für jemand, der ein Bild malt, mit dem Ziel etwas zur Wanddekoration im Wohnzimmer beizutragen. Dann rate ich, es erst mal aufzuhängen, wenn es zumindest teilweise gefällt und offen für neues Schaffen zu sein, das nur zum Ziel hat, sich sich beim Tun wohl zu fühlen.  


Als Künstler oder Maler, wie auch immer man sich bezeichnen mag, ist es bedeutsam zu seinem eigenen Schaffen stehen zu können. Das kann man in der Regel gut, wenn man mit seinen Bildern im Einklang ist. Es ist so wichtig sich nicht vom Urteil anderer abhängig zu machen, denn die sehen die Bilder immer mit eigenen Augen und auf dem Hintergrund ganz eigener Vorlieben und Erfahrungen. Das ist völlig in Ordnung und hat im Prinzip nichts mit dem Bildschaffenden zu tun.


Nur das eigene Gefühl zu den Bildern zählt und ist entscheidend, um sagen zu können, es ist fertig oder nicht. Entdecke Dein eigenes Gefühl für Deine Kreationen und erfreue Dich daran.